Eggwald: Mit Laubbläsern gegen den Klimawandel

(Lesezeit: 8Min) Vor einer Woche erhielten alle 102 Waldbesitzer des Eggwald ein Schreiben vom Förster. Darin werden diese aufgefordert, Sicherheitsfällungen für die Forststrasse auf eigene Kosten durchzuführen. Die Gemeinde ist nicht bereit, Geld in den beliebtesten Bike- Reit-, und Wanderweg zu investieren. Stattdessen wird jedoch regelmässig vom Werkdienst der Weg mit Laubbläsern von hinten bis vorn abgeschritten – sie lesen richtig: Auf einem natürlichen Nagelfluhweg mitten im Wald wird Laub geblasen…

Keinen Rappen für einen Sicherheits-Holzschlag

Diesen Sommer wurde vom Förster ein weiteres Mal bei der Gemeinde ein Antrag gestellt, um mit einem Sicherheitsholzschlag 20m links und rechts des Weges alle Problembäume und Äste im Eggwald zu entfernen. Die Gemeinde winkte ab: Dazu seien sie nicht bereit – dafür gebe es kein Geld. Stattdessen verschickte der Förster nun allen Waldbesitzern diesen Brief, damit das Thema nicht vergessen geht – im blieb bei dieser sturen und geizigen Haltung der Behörde nichts anderes übrig. Nach nur zwei Jahren verlässt uns der couragierte und engagierte Förster leider bereits wieder – er wechselt zu einer Ortsgemeinde, welche dem Wald seinen Wert für die Allgemeinheit beimisst:

Der Wald ist ziemlich gefährlich: Die trockenen Hitzejahre 19/20 gaben vielen Bäumen den Rest. Oben auf der Nagelfluhrippe wachsen vorallem Buchen, Eschen und Fichten. Alle drei haben an dieser Lage und dank des Klimawandels zu trocken. D.h. Buchen lassen plötzlich dicke Äste fallen, Eschen werden welk und die Fichten sind stehend dürr, käferbefallen und mit flachem Wurzelteller ohnehin zu Windwurf anfällig. Alles kleine Gefahrenherde. Jedoch ist das kein Problem für normale Waldbewirtschaftung, Jäger:innen und Holzer:innen , welche das Auge dazu haben. Das Problem besteht nur, wenn an gleicher Stelle dutzende Zufussgehende, Jogger:innen und Hündeler:innen oder gleich ganze Bikeclubs durch die Wälder ziehen.

Waldsubstanz ändern braucht Zeit, Geld und Koordination

Die Waldbesitzer werden den Klimachange bei ihren Baumarten step by step umsetzen. Das dauert aber 20 Jahre. Wald wächst und wandelt sich nur sehr träge. Künftig werden z.B. Douglasie, Eiche, Kiefer etc. eine Rolle im Baummix spielen. Zudem wechselt der Waldbesitz alle 50-100m – d.h. eine Koordination kann nur über die Gemeinde erfolgen. In umliegenden Gemeinden gibt es Ortsgemeinden mit Sachverstand und grossem Waldbesitz. In Eschenbach gibt es mehr als 500 Waldbesitzer und keinerlei Lead oder Know-how in der Gemeinde für unsere grüne Lunge. Dafür werden seit jeher für Deponien Wälder gerodet und miserabel aufgeforstet

….dafür schlechten Wein von Hobbywinzern mit tausenden Franken fördern

Im Bildstöckli gibt es paar erlauchte Herren, die sich ihr Hobby vom Steuerzahler finanzieren lassen. Den allermeisten Aufwand erledigen jedoch die Werkdienstarbeiter: Dünger, Pestizide und Fungizide neben dem Spielplatz versprühen, mähen, schneiden usw.

Ein paar wenige Stunden werden an “Arbeitssamstagen” von den “Winzern” gemacht. Der ganze Rest macht das nimmermüde Werkdienstteam professionell und vorallem dann, wenn der richtige Zeitpunkt dazu ist. Frecherweise wird 1/2 der Kosten für den Rebberg dem Konto “Spielplatz” zugeteilt. Übrigens lagern im extra für die Winzer erstellten Gebäude acht Sonnenschirme, welche nur für den 1. August oder das Winzerfest hervorgeholt werden dürfen. Die Kinder und Eltern dürfen stattdessen auf den glühenden Gummiplatten (48°C abends um 17:00Uhr!) ganzjährig ohne Schatten den Spielplatz geniessen. Alleine für die zwei Bäume die nachträglich gesetzt wurden, brauchte es zweimal Voten an Bürgerversammlungen und 4 Jahre regelmässiger Mailverkehr. Der Spielplatz ist barfuss nicht bespielbar. Mir wurde damals von einem Gemeinderat geraten, ich solle im Sommer eben in den Wald und nicht auf den Spielplatz… grrr.

Gemäss Liegenschaftsverwaltung wolle man wegen der “Werkeigentümerhaftung” nur Gummiplatten. Komisch ist einfach, dass in Schmerikon und Rappi wohl dieselben Gesetze gelten, aber dennoch Kies oder Schnitzel verwendet werden.

…und ungefragt den Eggwald touristisch vermarkten

Ich staunte nicht schlecht als die neue “Freizeitkarte” im BK lag. Da gab es plötzlich einen “offiziellen” Herzliweg oder bei mir im Waldstück eine markierte Feuerstelle. Das Ok gab ich nie dazu. Der Eggwald soll offensichtlich noch mehr Leuten schmackhaft gemacht werden. Da frage ich mich einfach: Passt das zusammen? Leute in den Wald locken, aber sich um Sicherheitsausgaben drücken?

Von wegen keine Verantwortung übernehmen

Ich kann ihnen sagen: Wer im Eggwald Holzerarbeiten erledigt, erlebt unglaubliches: Biker die ihr Velo über “Achtung Holzschlag – Lebensgefahr” Absperrungen tragen, Hunde die einen an der laufenden Motorsäge von hinten anschnüffeln und Jogger die einem beim ansetzen des Fällkeils vor dem Stamm durchlaufen. Kind haarscharf nicht angefahren vom Biker. Alles schon erlebt. Sie können sich zudem vorstellen, dass keine Waldbesitzer:in wahnsinnig Freude an all den Zigarettenstummeln, Plastiksäcken und gelben und braunen Nastüchern hat. Als “Dulder” einer von der Gemeinde erstellten Feuerstelle auf meinem Grundstück, habe ich auch noch regelmässigen Holzdiebstahl ab der Scheiterbeige, Abfallberge, Scherben und ganz viel Notdurft. Wahrscheinlich lastet sogar noch die Werkeigentümer Haftpflicht der Feuerstelle auf mir.

… und für Scheiterbeigen Amtsberichte an den Staatsanwalt schreiben

Ja sie lesen richtig: Meine Scheiterbeige hat gemäss eines Amtsberichts der Gemeinde Eschenbach – verfasst von der Kanzlei für den Staatsanwalt – keine Baubewilligung und könne ohnehin auch niemals eine Bewilligung erhalten: Die Scheiterbeige käme einer Waldrodung gleich! (Anmerkung: Die einzigen, die in meinem Wald etwas rodeten, war die Gemeinde, welche eine Feuerstelle baute und dazu 150m2 Wald einkieste)

Der Scheiterbeigen- Bauspezialisten der Gemeindeverwaltung kann ganz genau und präzise beschreiben, wie eine konforme Scheiterbeige erstellt werden müsste. Es folgt ein absolut perfekter Satz im Konjunktiv (Möglichkeitsform): “unter gewissen Umständen (…) in angemessenen Umfang möglicherweise geduldet werden kann”

Das corpus delicti – Meine ohne Baubewilligung erstellte Scheiterbeige

Dafür kommt der Werkdienst der Gemeinde jährlich zum Laubbläsern

Sicher haben sie es bereits bemerkt: Von Laubbläsern in seinem Wald hält der Schreibende wenig. Von Laubblasen einer mehrheitlich auf blankem Nagelfluh liegenden Naturstrasse ohne Schächte und Rohre mitten im Wald sogar garnichts. Es mag sein, dass diese Unterhaltsarbeit auf teuren Waldstrassen Sinn macht – auf ohnehin übernutzen Wegen in denen man sich abwechselnd von freilaufenden Hunden oder rasenden Bikern fürchten darf, halte ich Laub sogar für eine sehr gute flankierende Massnahme. Ich bin fast 100%ig sicher: Jeder Werkdienstarbeiter würde in dieser Zeit lieber mit einer Motorsäge etwas sinnvolles für die Sicherheit von uns allen tun!

Fazit:

1. Die Gemeinde hat für vieles Geld – ausser für die Sicherheit von jenen, die keine teure Anlagen für ihr Hobby brauchen.

2. Im Wald Laubbläsern ist in etwa so sinnvoll wie in der Wüste staubsaugen – zumal jeder Werkdienstarbeiter in dieser Zeit 10x lieber Bäume fällen würde.

3. Bauen sie nie eine Scheiterbeige ohne Rückfrage bei der Kanzlei – Blech ist tabu – verwenden sie Plastikblachen.

4. Der Eggwald wird noch viele Jahre gefährlich bleiben – meiden sie ihn bei aufkommendem Wind und Thermikböen im Sommer.

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