Ab August in Eschenbach: Flüsterbeläge bauen statt den Lärm reduzieren

Im Juli wird ein Flüsterbelag im Dorfkern eingebaut. Eigentlich eine gute Sache – nur macht das ganze keinen Sinn, wenn man gleichzeitig ernsthaft 24202 LKW’s durch das Dorf fahren lassen will; ein LKW wird so laut wahrgenommen,  wie 15 Autos! Leider kommt das Ganze damit einem kleinen Schildbürgerstreich gleich. Der Belag ist zwar sehr sinnvoll, aber auch teuer, schnell nutzlos, anfällig auf Schwerverkehr und andere Massnahmen wären effizienter. 

Lärm ist ein anerkanntes Problem- Lösungen auch

Seit 2018 gilt, dass alle Strassen von Bund, Kantonen und Gemeinden Lärmsaniert werden müssen, wenn sie die Grenzwerte überschreiten (Siehe Art. 13ff LSV). Schweizweit sind alle Kantone im Verzug – der Kt SG wird seinen Lärmbericht mit allen Berechnungen nächstes Frühjahr veröffentlichen. Trotzdem konnten nun offensichtlich bereits die Lärmberechnungen in die längst nötige Belagserneuerung auf der Gemeindestrasse vom Sternenplatz Richtung Ebnet beigezogen werden. Richtiger Schluss daraus: Man verbaut einen hochwertigen Semidichten  Flüsterbelag mit 4mm Komponenten. Für die verkehrsgeplagten Chappeler muss dies beinahe einem Hohn gleich kommen. Doch dort ist eben der Kanton der Grundbesitzer, welcher von rechts-bürgerlich tot gespart wird… Lärm ist übrigens auch wirklich ein echtes Gesundheitsproblem. Doch nun zurück zum Flüsterbelag in Eschenbach.

Problem Nr. 1: Zuviel schwerer Durchgangsverkehr trotz A53

Eschenbachs Strassen sind nicht nur für Fussgänger brandgefährlich sondern auch uneben. Logisch bei soviel Schwerverkehr. Das kommt daher, dass  die A53 längst gebaut wurde, den flankierenden Massnahmen dazu jedoch sämtliche Zähne gezogen wurden und nicht mal das was gebaut wurde oder noch sollte, irgendwas bringt. Dank dem gross und laut inszenierten Veto des Gewerbevereins anlässlich der Infoveranstaltung des ursprünglichen Dorfkernprojekts 2013 haben wir kaum eine Lenkung hingekriegt. Die LKW’s verlieren regelmässig ihre Spiegel in Lenzikon aber viel weniger oder langsamer sind sie nicht unterwegs.  Die Aufenthaltsqulität für Fussgänger ist miserabel – ein Gespräch ist ohne Unterbrechung in der eigentlich einzigen Begegnungszone von Eschenbach nicht möglich. Zu laut und zu oft dröhnen LKWs vorbei. Übrigens kennt man den Durchschnittlichen Tagesverkehr garnicht- gemessen wird nur bei Velomex. Der ganze Verkehr von Rapperswilerstrasse/ Rütistrasse wird nicht erfasst, ebenso ist der Anteil Schwerverkehr nicht bekannt.

Problem Nr 2: Unterhalt muss dauerhaft geleistet werden und ist teuer

Mit dem Bau der A53 wurde die Rickenstrasse von Ochsen bis Sternen zur Gemeindestrasse. Die Lebensdauer eines Belags ist je nach Auslastung mit 12-20 Jahren zu Ende. Ein Flüsterbelag hält ca. 7-10Jahre. Wirklich massiv hörbare Effekte bringt er ca. 5Jahre. Diese sind jedoch wirklich beeindruckend, wie folgendes Video zeigt. D.h. Wenn wir die übertroffenen Grenzwerte endlich erreichen wollen, müssen a) weitere Massnahmen hinzu kommen und b) der Unterhalt und die Belagserneuerung regelmässig geleistet werden!

Problem 3:  Baulobby

Der typische Baulöwe rast eben gerne öfters übermotorisiert durch “sein” Dorf. So ist dies mindestens im Büechliberg zu beobachten.  So verwundert es auch nicht, dass die Baulobby federführend gegen den Sternenplatz Einsprache einreichte. Begründung: Ihre LKW’s würden zu fest gebremst und schikaniert. Alle Macht den Grossen. Nichts ist so wichtig wie Wiesen verbauen und Verkehrsprobleme verursachen, indem man neue Quartiere mit schlechter Langsamverkehrserschliessung errichtet. Zudem ist Eschenbach ist das grösste Kiesdepot der Region. Verdienen tun wir nichts daran. Läppische CHF 23’000/ Jahr müssen die Lärm, Gefahr und Abgas bringenden Kiesgrubenbetreiber an Eschenbachs Strassen pro Jahr beisteuern – dank eines historisch schwach verhandelndem Gemeinderats.

So verwundert es auch nicht, dass der Baulöwe zusammen mit den anderen Löwen der Region am grossen Business mit Beton und Kies dick beteiligt ist und überall mitmischelt, um das Monopol zu stärken. In Eschenbach werden Deponiephantasien dieser Lebensqualitäts-Räuber anders als in Gossau, Rüti oder Grüningen nicht vom Gemeinderat ab der ersten Sekunde bekämpft sondern man ist im Rat der Ansicht,  Hand bieten zu müssen. Doch: Einem Unternehmer der folgenden Satz als Präsident des SG Verbands Kies Stein Beton vertritt, muss man keine Hand bieten, sondern nur eine kalte Schulter: “Der KSKB hält es verfrüht, dass Standortgemeinden und die betroffenen Grundbesitzer bereits auf Stufe Richtplan über ein Deponieprojekt informiert werden müssen” (Quelle: Vernehmlassung Kant Richtplan 2016).  Die Deponie ist kein Detail: Es ist das grösste Verkehrs-Klumpenrisiko das wir in Eschi, Neuhaus und Ermi fürchten dürfen. Und: es ist nicht das einzige Projekt auf der selben Achse.

Der WITZ: Der Flüsterbelag ist mit 24202 zusätzlichen LKW’s ohnehin  eigentlich nutzlos und hat vorallem schon nach 5 Jahren nur noch schwach lärmreduzierende Wirkung: Der Belag wird im Stop&go innerorts viel zu fest verdichtet und verdreckt. 

Problem Nr. 4: 30er Zone bringt viel mehr!

Auch wenn das keiner der Autofahrenden gerne lesen wird: Eine Reduktion auf 30km/h bringt beinahe kostenlos die weitaus grössten Effekte. Denn: Das Rollgeräusch ist ein erheblicher Lärmfaktor nebst dem Motor. Lärmbelastungen unter dem Grenzwert wären also mit etwas Vernunft und Weitsicht für wenig Geld zu haben. Die enorme Steigerung der Verkehrssicherheit und die verkehrslenkenden Effekte für den Durchgangsverkehr kämen noch gratis dazu. Das Problem dabei: Der Kanton schnorrt hier rein und all die Männer und Lobby, welche das Wort “Freiheit” auch auf ihr Auto projizieren. Während im Kanton Zürich selbst  Kantonsstrassen  wie z.b. die Seestrasse wegen des Lärms auf 30km/h gesenkt werden, sind Behörden im Kanton SG der Autolobby offensichtlich ausgeliefert. Das 30km/h wahnsinnige Effekte hat zeigt folgendes Bild (weiter Infos): Der Lärm des Verkehrs wird mit 30km/h bei der gleichen Anzahl Fahrzeuge als halb so laut wahrgenommen. 

 

 

 

 

Fazit:

1. Demnächst wird es für 5 Jahre ein teures Lärmpflästerli geben,

2. wird der Belag sehr schnell kaputt  und zu erneuern sein,

3. wären andere Massnahmen viel günstiger, langfristiger und brächten auch mehr Verkehrssicherheit.

4. Ist ein Flüsterbelag einbauen und zeitgleich ein Deponie fernab von Autobahnausfahrten ernsthaft in Erwägung zu ziehen, absolut gegensätzlich, volkswirtschaftlicher Blödsinn und gegen beinahe alle die man eigentlich zu vertreten hätte: Die BürgerInnen von Eschenbach und die Lebensqualität der Dorfkerne. Jede neue Betriebsbewilligung für Kiesabbau oder Deponien verstösst eigentlich gegen die gesetzliche Auflage, die zu hohen Lärmwerte endlich zu senken.

5. Nichts tun ist keine Option: Seit 2018 hatte man die Bringschuld, den Lärm zu senken. Das Dorfkernprojekt  müsste ein echte bauliche Massnahme gegen Tempo, Lärm und Verkehrsmenge sein. Nur dann ist es das Geld wert!

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.