King Roger- wie wäre eine 5G Antenne beim Pool?

…Oder: Warum eine 5G Antenne in Jona absolut zu recht aber auch sehr  überraschend zu Fall kam.

Ein kleiner Erfolg zu einer 5G Antenne ist zu vermelden. Aus einer geplante Mobilfunkantenne auf dem Gebäude Tägerenaustrasse 19, womit der Vermieter des Mietshauses auf ein 5-6stellige Summe hoffen konnte, wird nun doch nichts. Die Swisscom zieht ihr Baugesuch vom 26.Mai 2020  zurück. Immerhin hatten binnen der bescheidenen Einsprachefrist von 14 Tagen über 113 Einsprecher ihrer Ablehnung Gehör verschafft. Gescheitert ist das Projekt jedoch nicht an den gewichtigen Fragen des Ad Hoc Komitees. sondern an einem Dritten:

Einem bisher mir unbekannten Besitzer eines Nachbargrundstücks. 
Antenne – fertig – los
Geradezu aus dem nichts erschien im Juni ein Baugesuch in Jona. Selbstverständlich auf einem Gebäude mit Mietwohnungen und in einem Umfeld wo insbesondere nur Mieter der unteren Einkommensschichten wohnen. Das ist ohnehin gängige Praxis. Zwar hätte der Stadtrat mit einem Vertrag (siehe hier) alle Zügel in der Hand, dass es keine unterjährigen Überraschungen geben könnte, doch diese gibt es laufend. Nach diesem Vertrag müssten alle Mobilfunkbetreiber ein Jahr im Voraus – man einigte sich auf den Zeitraum August-September – alle Ausbauvorhaben gegenüber der Gemeinden offen legen. Darauf hin hätte die Gemeinde Zeit um Erstens mind. drei Alternative Standorte zu verlangen und Zweitens z.b. im Rahmen der jährlichen Bürgerversammlungen bzw. im Jahresbericht über die kommenden Ausbauwünsche zu informieren. Dieses gewichtige Steurungsinstrument besteht seit 2011 zwischen fast allen St. Galler Gemeinden und den Mobilfunkanbietern. Wirklich zur Anwendung kommt es wenig.  Anders sind die ständigen Überraschungen nicht zu erklären. (Siehe hier: https://www.linthzeitung.ch/news/2020-01-09/hickhack-um-5g-geht-weiter-experten-sind-sich-uneins oder hier: https://linth24.ch/articles/5311-fragwuerdige-5g-antennen-praxis)
 
Kommst Du zu mir oder ich zu Dir?
Eigentlich hätte längst die Politik das Heft an die Hand zu nehmen und in jedem Quartier in der Richtplanung Standorte für Antennen vorzusehen. Denn: Es braucht künftig eher noch  vielmehr Standorte. Da diese Steuerung komplett den Betreibern überlassen wird, gehen diese nach einer einfachen Logik vor:
1. Wo haben wir am wenigsten Einsprachen zu fürchten
2. Wo haben wir Freunde.
Besonders bieten sich dazu Industrieanlagen an oder im Fall Rapperswil Jona gleich die öffentliche Hand. So gibt es in Jona z.b. die Besonderheit, dass auch gemeindenahe Betriebe die hohle Hand machen:  Z.b. Auf dem Dach der Wasserversorgung Meienberg mitten in der Landwirtschaftszone oder auf jenem des EW’s.
Bei der EW Jona -Antenne ist einer der höchstbelasteten Standorte übrigens der gegenüberliegende Kindergarten.- gerade mal 0,1oV/M unter dem Anlagegrenzwert (welcher starken Schwankungen unterliegt – bei 64 oder 81 Antennen pro Panel einer 5G Anlage sowieso)
Ebenfalls beliebt sind Kirchen die so ihre eingebüsste “Ausstrahlungskraft” und der damit einhergehenden fehlenden Steuereinnahmen ein wenig ausgleichen können (so z.B. Seit x Jahren in St. Gallenkappel oder die last second von mir verhinderte Antenne in Eschenbacher Kirchturm). Immerhin: Pro Jahr liegen fünfstellige Beträge drin. Die SBB bietet auch überall Hand wo sie kann: In Bollingen soll aktuell neben dem Campingplatz eine Antenne aufgestellt werden. Wohnwagen weisen zwar eine sehr schlechte bis garkeine Abschirmung auf. Trotzdem wird die Antenne in der grünen Wiese kaum zu verhindern sein. Der Trick dort: Die Antenne steht auf der sogenannten Verkehrsfläche der Bahn und somit innerhalb der Bauzone. Wer jeweilen auf wen zugeht, ist nicht in Erfahrung zu bringen. Fest steht: Es gibt auch Firmen die beinahe auf jedem ihrer Dächer in Uznach, Schmerikon, Jona und Pfäffikon Schwyz Antennen haben – ein Zufall kann dies kaum sein. (Hier: http://ivo.sg/?p=738)
Antenne der Tägernaustrasse scheitert an weitsichtigen Nachbar
Das aktuelle Projekt scheiterte letztlich jedoch nicht der Sammeleinsprache von den 107 Einsprechern von Mietern und Hausbesitzer unmittelbar neben der Antenne. Obwohl die höchste Belastung mitten in der gegenüberliegenden Wohnung der Tägernausstrasse 14 und 16 mit gerade mal 0,03V/m unter dem Anlagegrenzwerte lag und auf Grund der Schwankungen sicher täglich auch darüber gesendet hätte, scheiterte sie auch nicht an den rein theoretisch nachgewiesenen technischen Strahlenbelastungen. Das Projekt scheiterte an der Weitsicht des Nachbarn, welcher beim unlängst erstellten Neubau des besagten Gebäudes bereits vertraglich aushandelte, dass aller höchsten Solaranlagen von 80cm Höhe  über das heutige Dach ragen dürften. Ob dieser binnen der kurzen zweiwöchigen Einsprachefrist auf das Baugesuch aufmerksam wurde oder nur auf Grund des beherzten Ad-Hoc Komitees der Sammeleinsprache ist bisher nicht bekannt. Jedoch scheint der Vertrag Niet und Nagelfest, weshalb unter diesen Umständen die Swisscom ihr Baugesuch zurückzog.  Somit bleiben auch die Fragen der Einsprecher alle unbeantwortet und es wird sicher schon bald irgendwo ein paar Häuser weiter das nächste Baugespann auftauchen. Fortsetzung garantiert.
Vieles spricht für ein Moratorium
Viele Kantonsräte äusserten mehrfach ihre Bedenken gegenüber der aktuellen Mobilfunkplanung. Aus der Region haben der Rapperswiler Kantonsrat Christopher Chandiramani SVP  (Hier) oder der Uzner altKR Josef  Kofler SP mehrfach die gesundheitlichen Bedenken zu 5G Antennen an die Regierung überbracht  . Auch Moratorien waren dabei Thema. Drei Kantone haben bereits offiziell ein solches eingeführt – fünf weitere bewilligen einfach inoffiziell keine neuen Antennen. Der Rest – trotz grossem Rückhalt bzw. ebensolchen Befürchtung in weiten Teilen der Bevölkerung – schlägt jedoch allesamt stets mit Verweis auf die Anlagegrenzwerte in den Wind. Egal ob bei Bund, Kantonen oder Gemeinden. Die Gemeinden ihrerseits sind Bewilligungsbehörden, haben jedoch von den zu bewilligenden hochtechnischen Anlagen kaum eine Ahnung. Messgeräte um die neue Generation von Mobilfunkantennen zu messen, gibt es noch immer keine, die Messmethodik gibt es erst theoretisch per Hochrechnungen. (Siehe hier)
Zudem gibt es mittlerweile mehrere Bundesgerichtsentscheide, welcher die Selbstdeklaration der Sendeleistung der Betreiber per QS-System mehrfach als ungenügend oder mangelhaft beurteilte. Trotzdem herrscht Stillstand. Der Bund anerkennte am 22.04.2020:  “Die gesundheitlichen Effekte von Mobilfunkstrahlung und insbesondere von Frequenzen, die in Zukunft voraussichtlich für 5G eingesetzt werden sollen, sind noch nicht abschliessend geklärt.” (Quelle) 
Gemeinden schauen zu
All das gäbe zusammen mit dem Vertrag welche die Gemeinden ohnehin schon mit den Betreibern hätten, eigentlich genug Gründe um kommunal mindestens die Informationspolitik drastisch zu ändern oder gar über ein Moratorium nach zu denken. Den Blick in die Region zeigt jedoch anderes: Die Gemeinden kümmern sich garnicht um das Thema und hoffen, dass sich die Betreiber oder nötigenfalls die Anwohner per Einsprache sich um eine sinnvolle Strahlenbelastung kümmern. Es finden sich in kaum einer Berichterstattung der Gemeinden Hinweise, dass eine Behörde beim Ausbau von Mobilfunkanlagen insistierte oder einen aktiven Part in der gleichen Verteilung von Strahlenbelastung übernahm.
Denn:
Erst wenn es alsdann gleich viele Antennen in Villenquartieren  wie auf günstigen Mietwohnungen geben würde, haben Gemeinden den Beweis erbracht, dass sie die Mobilfunkanlagen in die Hand genommen haben.
Ich habe kein Problem mit 5G oder neuer Technik- aber ich erwarte eine agierende Behörde, welche die  Mobilfunkabdeckung zusammen mit der Strahlenbelastung  abgleicht , diese gleichmässig verteilt und nicht einfach Betreiber in billigen Wohnquartieren wüten lässt. 
Das MobilfunkAntennenHauptNetz gehört prinzipiell in die Hände einer nationalen Organisation- ähnlich der Swissgrid beim Strom: Der Name hätte ich auch schon “MAHN” 😉 
Villenquartiere wären oft optimal: Meist unverstellt und erhöhte Lage
Zudem wären Villenquartiere aufgrund der oft erhöhten Lage oder am See ohnehin für Antennen bestens geeignet. Ein super Standort wäre vielleicht neben einem aktuellen Bauobjekt in der Kempratner Bucht – Dort betrifft es nur wenige Bewohner und diese werden dafür wohl ausreichend vergütet.
(Ist das schon Majestätsbeleidigung?)

2 Gedanken zu „King Roger- wie wäre eine 5G Antenne beim Pool?“

  1. Gute Beiträge! Hier hat sich aber ein Fehler eingeschlichen. Im Text heisst es:” Darauf hin hätte die Gemeinde Zeit um Erstens mind. drei Alternative Standorte zu verlangen”. Richtig wäre: Die Gemeinde kann 3 alternative Standorte vorschlagen, von verlangen steht im Dialogmodell nichts. Die Gemeinde müsste also selber aktiv Alternativstandorte suchen. Da kommen in der Regel nur gemeindeeigene Standorte / Gebäude in Frage.
    Schönes Wochenende und weiter so
    Martin Schlatt

    1. Stimmt. Dazu müsste die Gemeinde ja eben eine Netzplanung zur Hand haben, bzw. sich mit dem Thema ernsthaft auseinandersetzen…
      Da das kaum eine tut, fliegen ihnen die Gesuche nur um die Ohren…

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